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5 Aug 2020

Tarifvertrag groß und außenhandel schleswig holstein ausbildungsvergütung

Author: admin | Filed under: Uncategorized

“Ostdeutsche Städte müssen noch einige Vorurteile überwinden. Es gibt immer noch viele ausländische Investoren, die eine Mischung aus schlechten Investitionsbedingungen in Ostdeutschland vermuten: eine Kombination aus hohen Löhnen und (Infra-) strukturschwachen. (…) Ein Unternehmen wie Jenoptik ist jedoch wettbewerbsfähiger denn je, da die Löhne niedriger sind und die Gewerkschaften kein Mitspracherecht haben. (…) Aber es gibt immer noch Skrupel unter den Politikern, diese Vorteile offensiv zu vertreten.” (Süddeutsche Zeitung, 02.11.2006) 28Institutionelle Macht kommt unter anderem im Arbeitsrecht, mitbestimmung und im Wohlfahrtsstaat zum Ausdruck. Es ist keine primäre Energiequelle, sondern eine Ableitung, eine sekundäre Energiequelle, die vergangene Konflikte und Kompromisse widerspiegelt und bewahrt. Einmal erreicht, hat die institutionelle Macht langfristigen Charakter und wird nicht durch volatile politische Wirtschaftszyklen immobilisiert. Seine Zuverlässigkeit kann die Gewerkschaften verleiten, sich auf etablierte institutionelle Befugnisse in der Vergangenheit zu verlassen, wenn die Primärbefugnisse (strukturelle und organisatorische Macht) abnehmen. Das heißt, den Vorwand der Stabilität zu bewahren, während seine Grundfesten bereits zittern. Anders ausgedrückt: Langfristig kann institutionelle Macht nicht ohne die Untermauerung struktureller und organisatorischer Macht funktionieren.

53 In den letzten Jahren und noch mehr während der Krise sind widersprüchliche Haltungen unter den Arbeitnehmern entstanden. Einerseits betrachten (dauerbeschäftigte) Arbeitnehmer die Gesellschaft als Ganzes als “schlecht”, andererseits das Unternehmen als “gut”, weil es für sie der einzige Ort ist, der ihnen ein Gefühl von Sicherheit und Identität bietet (Dörre et al. 2011). Diese Haltungen erschweren natürlich die gegensätzlichen Konfliktstrategien der Gewerkschaften. Darüber hinaus erlebten viele Arbeitnehmer die Krise von 2008ff nicht als eine einzige und dramatische Erfahrung, die sie zu mehr Bereitschaft zur Teilnahme an Arbeitskonflikten führte. Ganz im Gegenteil, für sie entspricht die Kategorie “Krise” einer permanenten Erfahrung in den letzten zwei Jahrzehnten, als sie sich und die Gewerkschaften als relativ machtlos empfand (Becker et al. 2010, Detje et al. 2011). Streik und Konflikt sind Bürgermeisterressourcen für den Mitgliederzuwachs (Dribbusch 2011).

Doch in den letzten Jahren vermieden die deutschen Gewerkschaften großangelegte Konfrontationen. Wie bereits erwähnt, ist die Führung nicht sehr streikanfällig, aber der verlorene Streik in Ostdeutschland 2003 für die IG Metall, die Ungewissheit über die Bereitschaft ihrer Mitglieder, einen großen Streit zu führen, und die Zersplitterung ihrer Organisationen schmälerten das Vertrauen selbst unter den konfliktorientierten Gewerkschaftsführern. 4 Der deutsche Kapitalismus wurde als “koordinierte Marktwirtschaft” bezeichnet (Halle/Soskice 2001). Das Produktionsmodell wurde als “diversifizierte Qualitätsproduktion” (Streeck 1991) in Verbindung mit einem Beschäftigungsmodell “hochlohn- und hochqualifikationsweise” (Streeck 1997) charakterisiert. Während sich das System des Sozialschutzes auf die normalen Arbeitsbedingungen konzentrierte, war der gesellschaftspolitische Ausgleich für die steigende Arbeitslosigkeit relativ hoch. Der Staat intervenierte stark in die regulierenden Bedingungen des Arbeitsangebots (durch Weiterbildung, Vorruhestandssystem). Da die funktionierenden Arbeitsmärkte durch den Wohlfahrtsstaat, einen robusten Kündigungsschutz und eine strenge Regulierung des Arbeitsrechts geschützt wurden, wurde der Mechanismus der “Reservearmee” der Lohnarbeiter trotz steigender Arbeitslosigkeit nur geringfügig wirksam. Das normale Arbeitsverhältnis blieb das zentrale Element der sozialen Integration (Holst/Nachtwey 2010). Die Studie zeigt, dass 71 % der Tarifbeschäftigten einen Weihnachtsbonus erhalten, verglichen mit nur 43 % der Arbeitnehmer, die nicht unter Tarifverträge fallen.

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